18 Jul
von Philipp - Kategorie: (ars) musica, Internet, Plebs & Pöbel
Der Musikindustrie geht es schlecht. Vor allem auch weil sie sich viel zu spät, auf falsche Weise (Klagen etc.) und ziemlich doof angestellt hat als vor nicht ganz 20 Jahren klar wurde, dass das Internet eine echte Bedrohung für Firmen sein wird, die durch die Wiederauflage von alter Musik auf neuen Tonträgern (CD statt Vinyl) gerade auf ihrem absoluten finanziellen Höhepunkt war. Dazu gibt es seit einigen Tagen eine Studie des Max-Planck-Instituts (via), auf die ich in den nächsten Tagen hier aber gesondert eingehen möchte.
Warum ich eigentlich (schon wieder) mal über die Musikindustrie schreibe: Es gibt Anzeichen dafür, dass einige Plattenfirmen und Künstler begriffen haben, dass man auch davon profitieren kann, wenn die eigene Musik kostenlos bei YouTube & Co. zur Verfügung steht.
Avril Lavigne erhält in den nächsten Tagen einen Scheck über zwei Millionen Dollar alleine für die Plays ihrer Musik bei YouTube (via)! Wenn man bedenkt, dass für das Label selbst auch noch was abgefallen sein wird, dürfte es durchaus lohnenswert sein, wenn sich die Industrie mit den Möglichkeiten des Internets befassen würde.
Der springende Punkt ist nämlich:
“Today’s generation don’t want to own (music), they want to have access to it when and how they want it,”
Für Terry McBride, CEO von Nettwerk Management (u.a. Avril Lavigne) ist deshalb klar, dass der Preis für einzelne Songs künftig bei 25 US-Cent liegen sollte, für ganze Alben bei zwei Dollar. Über die Masse der Verkäufe rechne sich das Ganze nämlich trotzdem:
Und dazu kommen ja noch – was die Industrie weiterhin gerne verschweigt – die Rahmenverträge mit MySpace, YouTube und Co. Und für YouTube gibt es ja jetzt eine erste Größenordnung, was da an Einnahmen möglich ist (s.o.)
Daher, liebe Plattenindustrie, ist es ein ziemlicher Unfug, unter Berufung auf sinkende Einnahmen und Piraterie die Verkaufspreise für Musik-Alben hochzutreiben. Schon jetzt macht die Online-Distribution von Singles 80-90% der Verkäufe aus. 99 Cent kostet da ein Song, warum zur fünf bis sieben Euro teuren CD-Variante greifen? Wenn sich künftig noch mehr Leute ihre Musik bei YouTube, MySpace, Last.fm und Co. anhören, dürfte der Online-Preis weiter sinken. Alleine weil man ja auch darüber Einnahmen hat (s.o.). “Physische” Maxis sind ja jetzt schon praktisch nur noch Sammler-Editionen.
Ich bin gespannt, wann die nächsten Künstler ihre Online-Präsenz als Erfolg begreifen und ihre Plattenfirmen dazu bringen, das nicht weiter zu torpedieren.
Tags: Avril Lavigne, CD, Internet, lastfm, Max-Planck-Institut, Musikindustrie, myspace, Single, Studie, Terry McBride, Wirtschaft, youtube
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