Der erste Eintrag in diesen Blog sollte natürlich etwas ausführlicher und besser sein und nicht nur einen lustigen Link oder so enthalten. Doch zum Glück liegt ein Thema auf der Hand: Mehmet Scholl. Der wahrscheinlich beliebteste Bayern-Spieler (auch unter Nicht-Bayern-Fans) tritt heute abend das letzte Mal im Bayern-Trikot in einem offiziellen Spiel den Ball. Definitiv. Klar, jede Karriere hat ein Ende und dass ein Fußballer mit 37 Jahren merkt, dass seine Zeit in der Bundesliga vorbei ist, ist auch kein Wunder. Schade ist es trotzdem. Denn Mehmet Scholl war nicht nur Fußballer. Er war der vielleicht beste Imageträger des FC Bayern. Auch wenn seine Karriere in Karlsruhe begann.

Aufgefallen ist Mehmet durch seine freche und unbekümmerte Art. Nicht nur beim Fußball spielen sondern auch neben dem Platz. Mit Sätzen (1, 2) wie “Hängt die Grünen, solange es Bäume gibt” (übrigens bei weitem nicht so doof, verächtlich oder platt lustig wie damals viele meinten) wirbelte er beim verschlafenen FC Bayern gehörig Staub auf und wurde schnell zum Teenie-Idol. Mehmet war “Stammgast” in der BRAVO Sport, es gab sogar einen furchtbaren Song über ihn (leider bei youtube nicht zu finden) und er betonte spätestens ab Mitte/Ende der 90er (ähnlich wie Lars Ricken etwas später) sein Interesse an alternativer Rockmusik, an Bands von denen damals von uns Landeiern kaum einer gehört hatte. Die beiden CD-Sampler (1, 2), die er Anfang der 2000er Jahre zusammengestellt hat, sind bis heute eine exzellente Auswahl an guter “Indie-Musik”.

Kurz: Mehmet Scholl war anders. Und gerade deshalb für den sonst so konservativen, großmäuligen und behäbigen FC Bayern so wichtig. Leider hate er aber wiederholt mit Verletzungen zu kämpfen, so dass er an keiner einzigen Weltmeisterschaft teilnehmen konnte (trotz einer Unterschriften-Aktion zur WM 2006). Immerhin hat er es zum Europameistertitel 1996 gebracht, ansonsten war er nur mit dem FC Bayern erfolgreich (das aber immerhin ganz schön oft). Obwohl, wer weiß was passiert wäre, wenn Mehmet in einer Zeit Fußball gespielt hätte, in der nicht Erich Ribbeck Nationalmannschafts-Trainer und Paulo Rink Stürmer-Hoffnung gewesen wäre. An Mehmet hat es jedenfalls nicht gelegten, dass Deutschland bei der EM 2000 sang- und klanglos ausgeschieden ist, er hat nicht nur das einzige Tor geschossen (das 1:1 im ersten Gruppenspiel gegen Rumänien), er war auch in der Vorbereitung mit fünf Toren in elf Spielen durchaus überzeugend.

Aber irgendwie gehören sie auch dazu, diese Schicksalsschläge. Mehmet Scholl wäre ohne sie nicht so ein Kultspieler. Immer kurz vor Weltmeisterschaften verletzt, im Champions League-Finale 1999 semmelt er den Ball beim Stand von 1:0 an den Pfosten (Ausgang bekannt) und als er nach einer langen Pause mal wieder ein ausführliches Fernsehinterview gibt, trifft er ausgerechnet auf einen Moderator des aktuellen Sportstudios (ich glaube es war Poschmann), der nicht begriffen hat, dass Mehmet Scholl erwachsener geworden ist und nicht eine platte Provokation nach der anderen zum Besten gibt.

Warum das jetzt alles klingt wie ein Nachruf weiß ich auch nicht so recht. Immerhin wird Mehmet jetzt künftig die Sportkeglerbeim FC Bayern aufmischen (in der Jugend war er in Karlsruhe ja durchaus erfolgreich in diesem Sport). Und wahrscheinlich verstaucht er sich dann regelmäßig vor dem wichtigsten Spiel der Saison einen Finger und kann nur als Joker eingesetzt werden. Das allerdings erfolgreich.

Mach’s gut Mehmet! Danke für 15 schöne Jahre beim FC Bayern und danke, dass man durch dich wenigens einen Spieler hatte, auf den sich alle einigen konnten. Egal ob Bayern-Fan oder nicht.

P.S.: Das Spiel heute abend ist auch das Abschiedsspiel von Roy Makaay. Leider haben ihn die Bayern am Schluss nicht so gut behandelt, wie er es meiner Meinung nach verdient hätte. Um so schöner, dass er jetzt doch noch seinen Ausstand in der Allianz-Arena feiern kann.

P.P.S.: Wer die Schollsche Ironie nochmal genießen möchte: hier liest man das meiner Meinung nach beste der jüngsten Interviews von Mehmet.