Israel hat gestern abend getan was schon länger zu befürchten war: Bodentruppen der Armee sind in den Gaza-Streifen eingedrungen. Auf der Suche nach Kämpfern und Waffenlagern der Hamas und vor allem – so fürchte ich – vor allem auf der Suche nach Rache.

Der Stoibär hat gestern schon eine interessante Statistik veröffentlicht bzw. verlinkt: Israel hat in den wenigen Tagen Krieg im Gaza-Streifen bereits ein Vielfaches mehr an Menschen getötet als die Hamas in den letzten Monaten und Jahren.

Ich finde eine solche Gegenüberstellung von Toten ja etwas makaber denn von Gerechtigkeit kann hier sowieso nicht die Rede sein. Was können die getöteten Palästinenser im Einzelfall für jeden getöteten Israeli? Und wäre dann die Todesstrafe für Mörder adäquates Strafmittel? Ich finde nicht.

Und doch zeigt sich die israelische Regierung – auch wahlkampfbedingt – unerbittlich. Das zeigen vor allem Blogger aus dem Gaza-Streifen. Die Kanadierin Eva Bartlett hat in den letzten Tagen – wie es sich für eine Verfechterin der Menschenrechte gehört – Sanitäter in Gaza bei ihrer Arbeit begleitet. Neben schockierenden Bildern (die wären vielleicht was für Robert Basic…) bringt sie vor allem die Erkenntnis mit, dass Israel nicht davor Halt macht, Sanitäter zu attackieren. Genfer Menschenrechtskonvention hin oder her:

At the Jabaliya Palestinian Red Crescent Society (PRCS) station, the team there tells me of their injuries.  Half, they say, of emergency medics and drivers in Gaza have been injured by Israel while trying to perform the duties.

[...]

The medics work to load the corpse, first having to replace the flat tire.  Working frantically, still fearful of potential strikes, they crowd the ambulance, hoist the van, replace the flat.  A missile hits 50 metres away.  Surely, undoubtedly, those warplanes above us know –from the markings of the ambulance, the clothes of the medics, the crystal clear photos their drones can take –that we are civilians and medics below. Yet they fire.

Auch Schulen und andere Zivilgebäude sind für die angeblich so punktgenau attackieren isrealische Armee Angriffsziele:

In the light, I see what had been a large structure, a quality high school a friend had studied at.

Man beachte die “Beweisfotos” im verlinkten Artikel und das scheint kein Einzelfall zu sein:

Alberto points to a school 20 metres down the road.  “There’s a massive hole in the side of it; direct hit,” he says.

Was Israel im Gaza-Streifen macht, ist ein humanitäres Disaster. Die westliche Welt hat beschlossen, Israel trotz aller Greueltaten zu verteidigen und die Füße still zu halten.

Mehr und mehr komme ich zu der Ansicht, es gibt nur eine Möglichkeit der Reaktion durch UNO, EU und arabische Liga: Eine internationale Schutztruppe nach dem Vorbild aus dem Balkan-Krieg muss einfach in Israel und Gaza einmarschieren und eine ent-militarisierte Zone etablieren. Gleichzeitig kann sie so die Versorgung der palästinensischen Zivilbevölkerung sichern aber auch versuchen, die Angriffe auf israelische Siedler zu minimieren.

Das jetzige Ziel der Israelis scheint es zu sein, Hamas im Gazastreifen so zu schwächen, dass sie endgültig erledigt ist und Mahmoud Abbas mit seiner Fatah-Bewegung wieder die Macht übernimmt. Das vermutet die palästinensische Journalistin Laila El-Haddad in ihrem Blog.

Israel macht dabei einen Fehler: Für radikale Palästinenser ist die Fatah schon jetzt zu israel-freundlich. Wenn man ein Fatah-Regime als Folge eines israelischen Angriffs in Gaza etabliert, schwächt das die Fatah maßgeblich. Oder setzt Israel gar darauf, dass Palästinenser sich wieder untereinander bekriegen und ihre Waffen nicht auf Israel richten?

Ich finde es auf jeden Fall nachwievor höchst bedenklich, dass sich westliche Politiker in diesem Konflikt sehr zurückhalten oder mit ein, zwei markigen Sätzen Israel von jeder Schuld freisprechen und das war’s dann.

 

Eine Auflistung mit Blogs aus bzw. über Gaza gibt es bei tagesschau.de und natürlich versorgt auch Twitter mit aktuellen Infos, unter anderem auch Laila El-Haddad.