Kürzlich hat Don Dahlmann schön aufgezeigt wie sich die Musikindustrie immer tiefer in einer Sackgasse verrennt.

Man will den Kunden für dumm verkaufen mit dem Alben-Prinzip, das man in den 60ern (erfolgreich) mit Aufkommen der Langspielplatte entwickelt hat: “Two Killers, Rest Fillers”. Was soll’s, kaufen muss man ja schließlich beide Seiten des Vinyls. Das funktioniert in Zeiten von iTunes natürlich nicht, die Zahl der Veröffentlichungen, die aber augenscheinlich noch auf diesem Prinzip beruhen, ist nicht gerade gesunken.

Dass daran nicht die Künstler schuld sind, sondern deren vermeintliche “Rechtevertreter”, hat der heutige Tag deutlich gezeigt.

Künstler wissen nämlich durchaus um den Wert ihrer Fans, auch materiell. So lassen sich die amerikanischen HipHop-Veteranen von Public Enemy ihr Comeback von Fans finanzieren. Über Sellaband, eine Plattform, die eigentlich dazu gedacht war, Newcomern zu ermöglichen über Spenden eine Albumproduktion zu finanzieren. Die Spender (jeweils 25 Euro) bekommen natürlich nicht nur ein signiertes Exemplar der CD, sie werden auch an eventuellen Gewinnen beteiligt.

Tja und dann lese ich ein paar Stunden später wie das niederländische Pendant zur deutschen GEMA künftig von Bloggern Geld verlangt, die Musikvideos in ihre Artikel einbinden. Also um das mal runterzubrechen: Diejenigen, die das in der digitalen Welt umsetzt, was man früher Mund-Propaganda nannte, werden bestraft. Und das wo gerade die persönliche Empfehlung wesentlich mehr zu Verkäufen von Produkten beiträgt als jede Werbekampagne.

Vor diesem Hintergrund bin ich gespannt was Daniel Reinke von der Popakademie Baden-Württemberg so geschrieben hat. “Neue Wertschöpfungsmöglichkeiten der Musikindustrie” heißt sein Buch und fasst wohl die Ergebnisse einer entsprechenden Projektgruppe an der Hochschule zusammen. Beleg-Exemplar ist bestellt, ich hoffe sehr, dass ich nach der Lektüre positives über die Einsichten dieses Industriezweigs berichten kann.