Nach den Songs nun die Alben des Jahres. Wobei ich einen Satz vorwegschicken möchte, den Lukas die Tage geschrieben hat und der mir aus dem Herz spricht:

“Während mich die Rockmusik im Jahr 2009 überwiegend kalt gelassen hatte, entdeckte ich bei Hip-Hop, Folk und Elektropop immer wieder etwas Neues, Spannendes.”

“Überwiegend kalt gelassen” trifft bei mir vor allem auf die zweite Jahreshälfte zu, in der kaum Rock- bzw. Gitarrenalben kamen, die mich irgendwie berührt haben. So hat mich der Hype um The XX beispielsweise total kalt gelassen, und Biffy Clyro haben zwar ein gutes Album aufgenommen, aber bis in meine Toplisten schaffen sie es damit nicht.

10. entfällt. Denkt Euch auf Platz 11-20 Billy Talent, Muse, Jupiter Jones, The Kilians, Kid Cudi, Eminem und und und. Alles OK bis gut aber nicht gut genug für einen Platz in der Topliste (s.o.).

9. K.I.Z. – Sexismus gegen Rechts

Allein der Albumtitel ist schon geil und K.I.Z. halten das Niveau (wieder mal) auch über einen Longplayer. Also ihr Niveau. Love It Or Hate It, dazwischen gibt’s da nix. Ich find’s klasse, verstehe aber auch, dass das witzig gemeint ist, das ist bei K.I.Z. ja immer so eine Sache…

8. Thrice – Beggars

Die Frequenz mit der Thrice gute Alben aufnehmen und veröffentlichen ist beängstigend. “Beggars” finde ich bärenstark und wer die Band nicht kennt, der sollte ihnen eine Chance geben. Post-Hardcore meets Alternative meets Gitarre ohne Schubladendenken.

7. Slayer – World Painted Blood

Ich höre ja praktisch überhaupt keine Heavy Metal-Mucke mehr. Und wenn dann eher die alten Helden (siehe letztes Jahr Metallica). Slayer-Fan war ich nie so wirklich aber ich finde die Alben aus den 80ern geil (allerdings auch nur die). “World Painted Blood” kam da wie gelegen, denn das Album klingt als hätten die Jungs nach “South Of Heaven” und “Reign In Blood” einfach angeknüpft. Schnelligkeit, Brutalität, unfassbar tight, schlicht ein großartiges Album zum Dampf ablassen. Slayer halt.

6. Jan Delay – Wir Kinder vom Bahnhof Soul

Die Reunion der Beginner (so sie denn eine ist, offiziell machen sie ja nur Pause) wird weiter warten müssen. Denn je länger Jan Delay solo unterwegs ist (bzw. mit seiner Disko No. 1 statt mit Denyo und DJ Mad), desto besser wird er. Fast jeder Song ein Treffer, das unnötige Instrumental kann man skippen und seine Nöhlstimme hat er inzwischen auch so gut im Griff, dass sie eher cool als nervig wirkt.

5. Selig – Und endlich unendlich

Rock Am Ring war gnadenlos. Die Guano Apes sind auf der Bühne rumgestanden so dass man das Gefühl bekam Zeuge einer zweitklassigen Reunion sein zu müssen, während Selig mit Herzblut und Leidenschaft dabei waren. Kunststück bei solchen neune Songs! Auch wenn es bei mir nicht für Platz 1 reichte: alleine die ersten fünf Songs des neuen Albums rechtfertigen den Kauf, richtig gute deutschsprachige Rockmusik.

4. Archive – Controlling Crowds

Wenn er nicht schon vorher ein guter Freund von mir gewesen wäre, dann für denn Tipp, dieses Album zu hören. Wahnsinnig gut. Und passend zu jeder Gelegenheit: Entspannend und chillig und gleichzeitig ein interessantes “Hinhör”-Album das irgendwo zwischen ruhigem Alternativ-Rock, HipHop und Downbeat mäandert. Gegen Ende des Jahres kam dann sogar noch eine (nicht mehr ganz so brillante aber gute) Fortsetzung. “Controlling Crowds” ist schlicht großartig.

3. Placebo – Battle For The Sun

Brian Molko kann lachen. Und zwar auch dann wenn er Songs schreibt und singt. Dazu ein neuer Schlagzeuger, der durch seine Punk-Einflüsse straighter ist als der Vorgänger und schon läuft der Laden. “Battle For The Sun” hat nicht mehr die vertrackten Songstrukturen und nur selten die absolute Selbstzerstörungswut der frühen Placebo. Gerade deswegen finde ich es aber richtig gut – hat “Meds” als liebstes Album abgelöst.

2. David Guetta – One Love

David Guetta ist in seinem Herzen Pop-Musiker. Das hat zu einem echten Revival der Elektrosounds geführt (man denke nur an “I Gotta Feeling” von den Black Eyed Peas, das Mr. Guetta ja auch produziert hat) und dieses Album zeigt warum. Hochrangige Feature-Gäste, großartige Ideen, abwechslungsreiche Stimmungen und Beats, schlicht ein Gute-Laune-House-Album.

1. Jay-Z – The Blueprint 3

Jay-Z ist der letzte der großen Ami-Rapper, der für Qualität steht. Und dieses Album ist nicht nur wegen “Death Of Auto-Tune” ein Schlag in die Fresse von Snoop, Fiddy, Kanye und vor allem Pharrell (der trotz Mega-Egos auch hier wieder Mal den schwächsten Song beigesteuert hat). Die Singles dürften bekannt sein, daneben empfehle ich den Swizzbeatz-Knaller “On To The Next On” und “Off That(feat. Drake)”. Das beste Album 2009. So.

Und jetzt darf diskutiert werden. Was wurde vergessen, was zu hoch eingestuft?